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Nachrichten / Aktuell
Spiel und »Unschooling« Alltag im Haus der Unschooler-Familie von Do-
ris und Bruno Gantenbein. Spielen ist »Lernen«,
Die drei Kinder der Familie Gantenbein aus sagen die beiden. Die Schule, so sind sie und an-
Herisau haben noch keine Sekunde ihres Lebens dere Unschooler überzeugt, würde den natürli-
in einer Schule verbracht. Auch zuhause findet chen Prozess des Lernens im Leben eines Kin-
kein Unterricht im herkömmlichen Sinne statt – des nur stören.
die Kinder lernen, was sie wollen, wann immer »Unschooling« – so bezeichnet man ein vom
sie bereit sind dazu. Kind geleitetes Lernen im «normalen» Wohn-
und Lebensumfeld. Es gibt keinen geplanten
»In unseren Volksschulen Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für
herrscht eine Monokultur des die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben
Lernens – die Kinder werden als sind. Themen werden dann behandelt, wenn das
Objekte behandelt, nicht als Interesse des Kindes es verlangt. Einmal pro
Subjekte« – die Volksschule ist Jahr müssen die Gantenbein-Kinder zu standar-
für Doris und Bruno Gantenbein disierten Leistungstests antraben. Und obwohl
ein Ort, vor dem sie ihre Kinder sie noch nie ein Schulzimmer von innen gesehen
schützen wollen. Darum unter- haben, absolvieren Sara, Olivia und Nalin die
richten sie ihre Kinder selbst. Tests jeweils mit guten Ergebnissen und mini-
maler Vorbereitungszeit.
Nalin (10) spielt stundenlang mit seinen Play- Im SRF-Filmbeitrag taucht Reporterin Helen
mobilfiguren, musiziert und hilft einer benach- Arnet ein in den Alltag einer Familie, in der alles
barten Bäuerin auf dem Feld. Dazwischen übt er Tun und Lassen der Eltern auf die Kinder ausge-
sich am Computer in Englisch. Die elfjährige richtet ist. (Textquelle: SRF)
Olivia lernt Chinesisch und ihre ältere Schwes-
ter Sara (15) schreibt an einem Roman – das ist Hier geht’s zum ganzen Artikel und Video (Quelle: SRF)
Artikel Spielinfo Wissen: »Unschooling«
Das meint Spielinfo zum Thema Unschooling ? Gruppendynamik Klasse – Freund-
? schaften – soziale Kompetenzen.
Unschooling ist ein bemerkenswertes Lern- ? Schulweg – ein Bestandteil des Schul-
konzept für unsere Kinder. Leistungstests be- ? alltags und wichtiger Erfahrungsweg.
weisen, dass Kinder durchaus gute, wenn ? Lernen in Gruppen: sich einordnen,
nicht sogar bessere Ergebnisse erzielen wie ? sich beteiligen, mitspielen usw.
solche, die an herkömmlichen (Volks)Schulen Umgehen mit unterschiedlichen
unterrichtet werden. In Anerkennung dieser Leistungsniveaus in der Klasse.
Tatsache kann man diese Lernform also als Pausenplatzdynamik – die gehört, wie der
valable Alternative zur Volksschule betrach- Schulweg, zum schulischen Lernpfad.
ten. Fremde Lehrperson: Alternative
Nun stellen wir uns die Frage, wie es sich mit zu den Eltern, Autoritätsperson.
anderen Aspekten verhält, die wir im »norma-
len« schulischen Umfeld beobachten bzw. die
nebst dem Vermitteln von schulischen Lern-
inhalten eine wichtige Rolle spielen:
Der Dialog ist eröffnet! Diskutiert mit anderen Interessierten über das Thema.
Teilt uns Eure Meinung mit. Wir werden in den nächsten Nummern darüber berichten.
Spielinfo 2 / 2015 | 8