Page 12 - Spielinfo 1 2023
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S p i e l   &   S c h u l e




          Die Würfel sind gefallen!



          Würfeln im Schulalltag





        Stephanie Schachtner

          «Alea iacta est». Mit diesem Ausspruch haben es Würfel
          in die Schule geschafft. Zumindest in den Lateinunterricht.
          Hier tauchen gerne zum Anfang ein paar dieser bekannten
          Zitate auf. Diese Zitate schaffen einen einfacheren Zugang
          zur Sprache, das Eis bricht etwas auf. Latein ist gar nicht
          so fremd, wie es den Anschein hat. Mit eben diesen sprich-
          wörtlichen Würfeln haben die Würfel auch Einzug in den
          Geschichtsunterricht gefunden: über den Urheber des Zi-
          tats, Julius Cäsar, der dieses sinngemäss 49 Jahre v. Chr.
          von sich gab.
          Die römische Geschichte begleitet uns eine Zeit lang in der
          Schule.  Passend  dazu  liefere  ich  noch  etwas  mehr  Ge-
          schichtliches rund um den Würfel: im frühen 3. Jahrtau-
          send v. Chr. wurde wohl schon im Irak gewürfelt. Zumin-  kindliche Freude bleibt erhalten. Vor allem, wenn man den
          dest lassen uns Funde das annehmen. Funde aus Pakistan   klassischen Würfel noch erweitert und ergänzt.
          aus dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. Zeigen: diese Wür-  Würfel haben ihren ganz eigenen Reiz, dem sich kaum je-
          fel hatten bereits Augen. Der Frage «wann, wie, wo und   mand  entziehen  kann.  Sie  laden  dazu  ein,  angefasst  zu
          um was im Laufe der Zeit alles gewürfelt wurde», bin ich   werden. Sie verbinden gekonnt eine geometrische Form
          nicht weiter nachgegangen. Mir reicht es zu wissen, dass   mit einem ganz simplen und doch vielseitigen Spielzeug.
          Würfel eine der ältesten Spiele überhaupt sind.      Man schüttelt den oder die Würfel in einem Becher oder
          Redewendungen sind auch Teil im Deutschunterricht. Na-  in  der  Hand,  man  wirft,  die  Würfel  rollen  und  kippen
          türlich gibt es schier zahllose andere Sprichwörter, aber   schliesslich auf eine Seite. Anspannung, hoffen, bangen,
          eben auch die mit den Würfeln. Wie die Würfel, laden uns   Gewissheit und Entspannung folgen in einer kleinen Zeit-
          Sprichwörter zum Sammeln, Raten, Deuten, Spielen und   spanne. Freude und Enttäuschung liegen nur einen Wür-
          Anwenden ein.                                        felwurf  auseinander.  Viele  Emotionen  können  in  einer
                                                               kleinen Zeitspanne erfahren und müssen ausgehalten wer-
          Würfel sind also durchaus in der Schule präsent. Jetzt müs-  den.
          sen sie nur plastisch und alltäglich werden. Vor allem wol-
          len sie auch verwendet und eingesetzt werden.        Ich mag mich erinnern, dass ich immer denselben Würfel
                                                               der Spielesammlung benutzt habe. Ich war überzeugt, dass
          Würfel faszinieren schon kleine Kinder. Sie würfeln und   dieser  Würfel  im  Durchschnitt  ein  besseres  Ergebnis
          beobachten, wie der Würfel rollt, holpert, über die Kanten   bringt als die anderen. Ich mag mich auch erinnern, dass
          kippt und schliesslich liegen bleibt. Kinder machen erste   mein Opa gerne mal den Würfel gewechselt hat – immer
          Zählversuche und erschliessen sich einen kleinen Zahlen-  dann, wenn er am Verlieren war.
          raum. Oder sie lernen damit Farben. Sie begreifen Dreidi-
          mensionalität,  Regelmässigkeiten,  erfahren  Statik  und   Würfel gibt es von ganz klein und winzig bis ganz gross.
          Freude am Tun: würfeln, werfen, stapeln, schnippen, le-  Sie sind aus Holz, Stein, Plastik, Schaumgummi, Styropor,
          gen, sortieren, …Vermutlich erwürfeln sie sich noch mehr.   Acryl. Manche glitzern, sind transparent, matt, bunt, wir-
          Und das nur mit ein paar simplen Würfeln. Diese klein-  ken billig oder richtig edel. Für jeden gibt es den Würfel,
                                                               der ihn oder sie anspricht. Im gut sortierten Fachhandel
                                                               gibt es eine schier grenzenlose Auswahl.
                                                               Es gibt Spielwürfel inzwischen in vielen Formen: rund,
                                                               ganz gewöhnlich sechsseitig, vierseitig als Tetraeder, als
                                                               Oktaeder, Trapezoeder, Dodekaeder, Ikosaeder, … mit 9,
                                                               12, 20 oder 24 Seiten, mit 30 oder 48 Seiten, sogar 120
                                                               Flächen sind mathematisch möglich. Gut, die 120 Seiten
                                                               sind als Spielwürfel doch eher ungewöhnlich.
                                                               Was machen wir jetzt also in der Schule mit den ganzen
                                                               Würfeln?  Spielen!  Oder  Spielen  und  Lernen  verbinden.
                                                               Am Naheliegenden ist wohl rechnen: addieren, subtrahie-
                                                               ren, multiplizieren. Hier sind ganze Zahlen garantiert.



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