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Schwerpun kt SpielArt
»Deutsch – Nuyorican Poetry Festival« in New Poetry Slam CH-Tour. Diesmal waren Michael
York veranstalteten, zog es neben deutschen Lentz, Verena Carl und Till Müller-Klug als
Gästen wie Bastian Böttcher (Bremer Rap- deutsche Gäste eingeladen und Christoph
Poet), Durs Grünbein (Büchner-Preisträger) und Schuler, Michael Stauffer, Ralf Schlatter, Andi
Andre Michael Bolton (Trommler und Dichter) Rickert, Suzanne Zahnd, Seelenlos & Aerger,
auch den Schweizer Performance-Poeten Chris- Sandra Küenzi, Luciano Andreani, Constantin
tian Uetz in die USA, welcher später neben drei Seibt, R.C. Köchli, Jürg Halter, Familie Cara-
weiteren Auszeichnungen auch den 3Sat-Preis donna, »Die Eistorte«, Tom Combo und Clau-
beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewann. dius Weber vertraten die Schweizer Slamszene.
Dies war die Grundlage dafür, dass nun auch
vermehrt die Schweiz mit dem Slam liebäugelte. Ab 2010: Schweizermeisterschaften
Poetry Slam in der Schweiz Nun war also auch die Schweiz als Slam-Nation
entdeckt worden und nach den deutschsprachi-
Der Durchbruch des Slams in der Schweiz folgte gen Meisterschaften 2008 in Zürich wurden
erst 1999, als die Schweizer Matthias Burki und 2010 offiziell die Schweizermeisterschaften ge-
Yves Thomi, die Begründer des Kleinverlages gründet, wo sich jeweils um die 40 Schweizer
»Der gesunde Menschenversand«, nach Poeten messen. 2010 gewann Lara Stoll die ers-
Deutschland reisten und den dort immer populä- ten Meisterschaften in Olten, 2011 folgte ihr
rer werdenden Slam studierten. Sie kamen derart Gabriel Vetter, 2012 Renato Kaiser. 2013 konn-
begeistert nach Hause, dass sie beschlossen, te sich Hazel Brugger den Titel ergattern und der
fortan auch in der Schweiz Slams durchzuführen Schweizermeister 2014 ist Christoph Simon.
(es gab zwar schon vorher Slams in Bern, doch Mit den Schweizermeisterschaften 2012 in Win-
die waren sehr rar.). Das Vorhaben sollte mit ei- terthur fand auch der Team-Wettbewerb – von
ner Poetry-Slam-Tour im Juni 1999 seinen Auf- manchen Stimmen die Königsdisziplin des
takt erleben und die repräsentierenden Schwei- Slams genannt – Einzug in die Schweizer Slam-
zer waren Suzanne Zahnd, Tom Combo, Philipp szene.
Albrecht Egli, Jurczok 1001, Melinda Nadj
Abonji, Raphael Urweider, Max Küng,
Constantin Seibt, Ralf Schlatter, »Die
Eistorte« (Dominik Burki und Raffael
Meier) und René Oberholzer. Im Pro-
gramm standen aber auch deutsche Au-
toren: Bastian Böttcher, Till Müller-
Klug und Hadayatullah Hübsch.
Matthias Burki äusserte sich dazu fol-
gendermassen: »Slams sind anders als
andere Lesungen: Die Texte müssen
sich zum Vortrag eignen, und der Kör-
per der Lesenden muss irgendwie invol-
viert sein. Die Leute, die wir eingeladen
haben, kennen das bereits.«
Ganz im Sinne der alten Bräuche bildete
das Publikum die Jury und der Sieger-
preis war eine Flasche Whisky. Jeder
Besucher durfte sich auch vor der Show
dazu entscheiden, selbst einen Text vor-
zulesen. Im April 2000 folgte die zweite
Spielinfo 2 / 2015 | 19