Page 19 - Spiel Info
P. 19

Schwerpun kt SpielArt

»Deutsch – Nuyorican Poetry Festival« in New       Poetry Slam CH-Tour. Diesmal waren Michael
York veranstalteten, zog es neben deutschen        Lentz, Verena Carl und Till Müller-Klug als
Gästen wie Bastian Böttcher (Bremer Rap-           deutsche Gäste eingeladen und Christoph
Poet), Durs Grünbein (Büchner-Preisträger) und     Schuler, Michael Stauffer, Ralf Schlatter, Andi
Andre Michael Bolton (Trommler und Dichter)        Rickert, Suzanne Zahnd, Seelenlos & Aerger,
auch den Schweizer Performance-Poeten Chris-       Sandra Küenzi, Luciano Andreani, Constantin
tian Uetz in die USA, welcher später neben drei    Seibt, R.C. Köchli, Jürg Halter, Familie Cara-
weiteren Auszeichnungen auch den 3Sat-Preis        donna, »Die Eistorte«, Tom Combo und Clau-
beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewann.          dius Weber vertraten die Schweizer Slamszene.
Dies war die Grundlage dafür, dass nun auch
vermehrt die Schweiz mit dem Slam liebäugelte.     Ab 2010: Schweizermeisterschaften

Poetry Slam in der Schweiz                         Nun war also auch die Schweiz als Slam-Nation
                                                   entdeckt worden und nach den deutschsprachi-
Der Durchbruch des Slams in der Schweiz folgte     gen Meisterschaften 2008 in Zürich wurden
erst 1999, als die Schweizer Matthias Burki und    2010 offiziell die Schweizermeisterschaften ge-
Yves Thomi, die Begründer des Kleinverlages        gründet, wo sich jeweils um die 40 Schweizer
»Der gesunde Menschenversand«, nach                Poeten messen. 2010 gewann Lara Stoll die ers-
Deutschland reisten und den dort immer populä-     ten Meisterschaften in Olten, 2011 folgte ihr
rer werdenden Slam studierten. Sie kamen derart    Gabriel Vetter, 2012 Renato Kaiser. 2013 konn-
begeistert nach Hause, dass sie beschlossen,       te sich Hazel Brugger den Titel ergattern und der
fortan auch in der Schweiz Slams durchzuführen     Schweizermeister 2014 ist Christoph Simon.
(es gab zwar schon vorher Slams in Bern, doch      Mit den Schweizermeisterschaften 2012 in Win-
die waren sehr rar.). Das Vorhaben sollte mit ei-  terthur fand auch der Team-Wettbewerb – von
ner Poetry-Slam-Tour im Juni 1999 seinen Auf-      manchen Stimmen die Königsdisziplin des
takt erleben und die repräsentierenden Schwei-     Slams genannt – Einzug in die Schweizer Slam-
zer waren Suzanne Zahnd, Tom Combo, Philipp        szene.
Albrecht Egli, Jurczok 1001, Melinda Nadj
Abonji, Raphael Urweider, Max Küng,
Constantin Seibt, Ralf Schlatter, »Die
Eistorte« (Dominik Burki und Raffael
Meier) und René Oberholzer. Im Pro-
gramm standen aber auch deutsche Au-
toren: Bastian Böttcher, Till Müller-
Klug und Hadayatullah Hübsch.
Matthias Burki äusserte sich dazu fol-
gendermassen: »Slams sind anders als
andere Lesungen: Die Texte müssen
sich zum Vortrag eignen, und der Kör-
per der Lesenden muss irgendwie invol-
viert sein. Die Leute, die wir eingeladen
haben, kennen das bereits.«
Ganz im Sinne der alten Bräuche bildete
das Publikum die Jury und der Sieger-
preis war eine Flasche Whisky. Jeder
Besucher durfte sich auch vor der Show
dazu entscheiden, selbst einen Text vor-
zulesen. Im April 2000 folgte die zweite

                                                   Spielinfo 2 / 2015 | 19
   14   15   16   17   18   19   20   21   22   23   24