Page 21 - Spiel Info
P. 21
Schwerpunkt SpielArt
Rückblick: Ausstellung »The Art of the Brick« – Legospiel als Kunstform
Text: NICOLA BRUSA Yellow, Photo: Nathan Sawaya
Einem Maurer würde man niemals All diese Werke – und noch viele mehr – waren
Kunst vorwerfen, bloss weil er in Zürich zu sehen. Die Welttournee der Aus-
Backstein um Backstein fein säuber- stellung «The Art of the Brick» machte von Pa-
lich aufeinanderschichtet. ris kommend halt in der Zwinglistadt. Nathan
Bei Nathan Sawaya ist das anders: Der Sawaya zeigte seine Ausstellung, er war bei der
Amerikaner wurde bekannt, weil er Lego- Eröffnung persönlich anwesend. Der ehemalige
steine zusammenbaut. Und dies ziemlich Wirtschaftsanwalt, heute Künstler, der aber im-
ausdauernd. Der 42-Jährige schafft grosse mer noch aussieht und spricht wie ein Wirt-
Kunstwerke aus Legosteinen, und er baut schaftsanwalt, der irgendwann genug von Ver-
mit Legosteinen grosse Kunstwerke nach. tragskonstrukten hatte, baut seit 2007 Skulptu-
Das bekannteste eigene Werk Sawayas ist auf je- ren aus Legosteinen.
den Fall die Skulptur «Yellow», gebaut aus
11'014 gelben Steinen. Ein männlicher Torso, 4 Millionen an Lager
der sich die Rippen aufreisst. Aus seinem Brust-
korb purzeln Legosteine. Die Stimme aus dem Nathan Sawaya arbeitet in einem grossen Atelier
Off (also aus dem Audioguide) sagt, es sei das in Los Angeles. Es ist ein nüchterner Raum, der
Werk, das die Leute am meisten in seinen Bann mehr an eine Werkstatt als an ein Kinderzimmer
ziehe. Die Kinder seien fasziniert von den Stei- erinnert. An der Wand lagern die Legosteine in
nen, die aus dem Körper quellen. Die Erwachse- transparenten Plastikkisten, säuberlich sortiert
nen von den Qualen eines Menschen, der sich nach Farben und Grösse. Rund 4 Millionen Le-
der Welt öffnet. gosteine in verschiedenen Farben umfasst sein
Lager. Es muss ständig aufgefüllt werden, denn
Sawaya ist ziemlich produktiv.
Spielinfo 2 / 2015 | 21