Page 49 - Spielinfo 1 2023
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D i g i t a l
«Nicht alles, was heutzutage als Spiel
bezeichnet und vermarktet wird, ist
auch tatsächlich ein Spiel. Das Spiel
wird missbraucht und für bestimmte
Zwecke und zur Verfolgung bestimmter
Absichten instrumentalisiert – Das Spiel
wird zum Konsumartikel umformatiert.
schädigenden Glücksspiels aufbauen. In der heutigen Situ- Hier wird das Spiel zum Geschäft
ation brauchen Kinder und Jugendliche mehr denn je et-
was, das ihre gesunde Entwicklung fördert und sie vor gemacht und in bitteren
Schaden bewahrt. Sie sollten unterstützt werden, wo es Ernst verwandelt.»
noch keine Orientierung für sie gibt, sie sollten Handlun-
gen erproben dürfen und Erfahrungen machen können, (Christoph Quarch, Rettet das Spiel)
ohne dass dies Folgen in der Realität des Alltags hat – sie
sollten kreativ spielen, um sich in der Welt zurecht zu fin-
den.
Glücksspiele geweckt. Die Teilnahme am Glücksspiel ist
Spiel und Glücksspiel lösen gemäss Jugendschutz gesetzlich erst ab einem Alter von
beide Glücksgefühle aus 18 Jahren gestattet, und die Zeit bis dahin sollte genutzt
werden, um Kinder und Jugendliche für das Thema zu sen-
In der ersten Betrachtung geht dabei vielleicht unter, wo sibilisieren.
der süchtig machende Aspekt entsteht. So ist es sinnvoll,
den Umgang und die Wirkungen der verschiedenen Spiel- Rubbellose und die Lottoeinsätze sind als Spielanreize
formen bewusst zu machen, um gesundes Spiel zu erhalten nicht zu unterschätzen und der Einfluss auf die Kinder,
und pathologisches Spiel zu vermeiden. Wie bei allen an- wenn die Eltern sich am Glücksspiel beteiligen und dies
deren Substanzen und Verhaltensweisen, die das Potential als «normale» Handlung mit den Kindern vollziehen, ist
haben, süchtig zu machen, sollten auch bei der Glücks- grösser als man denkt.
spielsucht die individuellen Präventionsmassnahmen früh-
zeitig, vor der Problementstehung erfolgen. Wer schon im
Jugendalter mit Glücksspiel in Berührung kommt, hat ein «Das hast du gut gemacht!»
grösseres Risiko, später Probleme zu entwickeln. Es ist
deshalb wichtig, Kindern und Jugendlichen eine Vorstel- Eine kleine Geschichte
lung davon zu geben, was gesundes Spielen heisst und da- Ein Vater geht mit seinem 6-jährigen Sohn zum Kiosk, um
mit ihre Spiel- und Medienkompetenz zu fördern. Es ist Rubbellose kaufen und lässt das Kind die Lose ziehen.
empfehlenswert, dafür gesundes Spiel einzusetzen, weil Zuhause werden die Lose freigerubbelt und es stellt sich raus,
Spiel uns daran erinnert, wer wir sind, weil Spiel unsere dass ein grösserer Gewinn dabei ist. Das Kind wird für die
Ressourcen aktiviert und weil Spiel die Resilienz fördert. «Auswahl» der Lose überschwänglich von der Familie gelobt:
Kinder und Jugendliche müssen auch auf die Begegnung «Das hast du gut gemacht!»
mit Glücksspielangeboten vorbereitet werden, da der Kon-
takt damit nicht zu vermeiden ist. Was erlebt das Kind in dem Moment: Glücksgefühle, Aner-
Durch die Digitalisierung der Spiele und die Zunahme von kennung und Selbstwerterhöhung. Leider ist dieser Umstand
aus einem Glücksspiel = Zufallsspiel entstanden und ist so nicht
getarnten Glücksspiel Apps, die für Kinder auf jedem wiederholbar und hat mit dem Kind nichts zu tun. Das Kind
Smartphone und Computer zugänglich sind, wird eine bewertet das aber auf sich bezogen als Erfolg.
niedrige Einstiegsschwelle und Neugierde für Online-
Pseudo Spiele Apps
Die Zahl der getarnten Glücksspiele in Form von «norma-
len» Spiele-Apps (z.B. Coin Master, ab 13. J.) steigt stetig
an. So wird der Übergang von der einfachen App in die
Online Casinos geebnet und ein junges bis sehr junges
Publikum verführbar gemacht. Diesen Trend zu stoppen,
wird hinterher schwierig und deshalb setzen wir auf Prä-
vention mit gesundem Spiel, um die Widerstandsfähigkeit
zu stärken und ein problematisches Glücksspiel Verhalten
gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Boden für Abhän-
gigkeit wird vorbereitet, wenn es eine hohe Verfügbarkeit
gibt und der Umgang damit nicht gelernt wird. Besonders
Infografik der Gesundheitsförderung Schweiz 2021
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